MarianaCSCs, Mahnungen und Inkasso: Was die interne Stellungnahme wirklich sagt
Der Konflikt rund um Mahnungen und angedrohte Inkassoverfahren beim Cannabis Social Club MarianaCSCs hat in den vergangenen Wochen für erhebliche Unruhe gesorgt. Da uns interne Dokumente zugespielt wurden – darunter der offene Brief des Vereins an den Deutschen Hanfverband (DHV) sowie begleitende Mails an Vorstände und Ansprechpartner – möchten wir diese Debatte nicht einseitig stehen lassen. Sobald eine offizielle Stellungnahme des Vereins auf unsere Anfrage vorliegt, werden wir diese ebenfalls veröffentlichen.
Zur Einordnung der Dokumente
Die vorliegenden Schreiben lassen sich klar unterscheiden: Der offene Brief richtet sich explizit an den DHV und ist zur öffentlichen Veröffentlichung bestimmt – er wirkt inhaltlich abgeschlossen und final formuliert. Die begleitenden Mails hingegen richteten sich intern an Vorstände und Ansprechpartner, mit dem Ziel, Unterstützung und Mitzeichnung für den offenen Brief zu gewinnen. Inhaltliche Diskussion war dabei offenbar nicht vorgesehen – der Brief war fertig, gesucht wurden Unterschriften.
Auffällig ist auch, wie koordiniert das Ganze ablief: Laut der internen Mail hatten sich Mitglieder verschiedener Mariana-CSCs in kurzer Zeit auf einem Discord-Server abgestimmt, den Inhalt der Antwort kollektiv festgelegt und anschließend den Vereinsvorstand mit der finalen Ausformulierung beauftragt. Das ist keine spontane Reaktion, sondern strukturierte Krisenkommunikation.
Die Kernbegründung: Vereinsrecht und Fairness gegenüber zahlenden Mitgliedern
Im offenen Brief stellt MarianaCSCs das Mahnverfahren nicht als Eskalation dar, sondern als vereinsrechtliche Notwendigkeit:
„Vereinsrechtlich ist der Vorstand sogar verpflichtet, Beiträge einzutreiben. Tut er das nicht, können die Mitglieder ihn dafür persönlich haftbar machen." (Offener Brief an den DHV)
Dazu kommt ein wirtschaftliches Argument: Wer nicht zahlt und damit durchkommt, verursacht Kosten, die am Ende von den zahlenden Mitgliedern getragen werden – etwa durch Rückbuchungsgebühren bei Lastschriften. Als Gegenbeispiel wird ein Gastbeitrag des Vorstands des CSC High Nord aus einem Stammtisch angeführt, wo man sich bewusst gegen Inkasso entschieden hatte – mit der Folge, dass zahlende Mitglieder diese Mehrkosten stillschweigend mitfinanzieren mussten.
Die Perspektive ist also: Nicht Inkasso gegen Einzelne, sondern Kostenschutz für die Gemeinschaft. Das ist in gewissem Maße nachvollziehbar – auch wenn die Konsequenzen für Betroffene erheblich sein können.
Demokratisch legitimiert – so zumindest die Darstellung
Ein zentrales Argument im offenen Brief ist, dass diese Entscheidung nicht vom Vorstand allein getroffen wurde:
„Das Ergebnis war eindeutig: Die Mitgliederversammlung hat basisdemokratisch ein kulantes Mahnverfahren mit Inkasso als letztes Mittel beschlossen." (Offener Brief an den DHV)
Nach dem DHV-Artikel sei das Thema sogar erneut auf einem offenen Stammtisch diskutiert worden – mit demselben Ergebnis: Eine klare Mehrheit sprach sich wieder für den Mahn- und Inkassoweg aus. Der Verein versucht damit deutlich zu machen, dass aktive Mitglieder hinter dieser Entscheidung stehen – und nicht nur der Vorstand.
Der ADAC-Vergleich – ein etwas schiefer Vergleich
Um das Vorgehen zu normalisieren, zieht MarianaCSCs im offenen Brief einen Vergleich mit anderen Vereinen:
„Der ADAC, mit über 20 Millionen Mitgliedern Deutschlands größter Verein, beauftragt das Inkassounternehmen EOS mit der Eintreibung säumiger Mitgliedsbeiträge." (Offener Brief an den DHV)
Der Vergleich mag formal stimmen – inhaltlich hinkt er allerdings. Ein etablierter Automobilclub mit Jahrzehnten Geschichte ist strukturell kaum mit einem Cannabis Social Club in der Aufbauphase vergleichbar, der bislang noch kein einziges Gramm Cannabis ausgegeben hat. Aber gut – das ist letztlich eine Frage der Perspektive.
Kulanz parallel zur harten Linie
Interessant ist, dass der Verein im offenen Brief auch eine deutlich weichere Seite zeigt:
„Nach aktueller Auswertung haben wir bereits auf Mitgliedsbeiträge in der Höhe von mehr als 100.000 € aus Kulanzgründen verzichtet. Dabei handelt es sich um Beiträge, die uns zweifellos auch rechtlich zustünden. Auch auf Mahngebühren wird verzichtet." (Offener Brief an den DHV)
Wer also aktiv auf den Verein zugeht, hat offenbar gute Chancen auf eine individuelle Lösung. Dass strikte Mahnprozesse und ein paralleles Kulanzangebot gleichzeitig existieren, wirkt kommunikativ zwar etwas widersprüchlich – zeigt aber auch, dass die Situation nicht so eindimensional ist, wie sie in der öffentlichen Debatte manchmal dargestellt wird.
War der Anmeldeprozess wirklich unklar?
Einen zentralen Kritikpunkt greift der offene Brief direkt auf: die angebliche Verwirrung beim Beitritt. Dazu lässt der Verein ein Mitglied zu Wort kommen:
„Für mich war das völlig klar, worum es sich handelt. Ich kann mich sogar daran erinnern, dass man den Mitgliedsantrag digital unterschreiben musste und eine Bestätigungsmail mit weiteren Erklärungen erhalten hat." (Offener Brief an den DHV – Andrea Lantermann, Mitglied)
Ergänzend wird darauf verwiesen, dass der Anmeldeprozess mit digitaler Unterschrift, Zustimmung zu Satzung und Beitragsordnung sowie einem expliziten Klick auf „Kostenpflichtig abschließen" ausgestaltet war. Aus Vereinssicht eine eindeutige vertragliche Grundlage – aus Sicht mancher Betroffenen offenbar trotzdem nicht klar genug kommuniziert.
Fazit: Interne Logik trifft auf öffentliche Empörung
Die vorliegenden Dokumente zeichnen das Bild eines Vereins, der sein Vorgehen als rechtlich korrekt, wirtschaftlich notwendig und demokratisch legitimiert bewertet. Vereinsrechtliche Pflichten, der Schutz zahlender Mitglieder und interne Mehrheitsentscheidungen werden als Begründung angeführt – ergänzt durch Kulanzangebote für Einzelfälle.
Wie immer gilt: Wir berichten nicht einseitig. Die Perspektive des Vereins gehört genauso zur Wahrheit wie die Berichte der Betroffenen – und wir halten es für wichtig, beides abzubilden, damit sich Leserinnen und Leser ein vollständiges Bild machen und ihre eigene Meinung bilden können.