PotSpot

Geplante Änderungen am Medizinal-Cannabisgesetz: Zurückgezogen oder nur aufgeschoben?

Editorial Artwork: Patient erhält Cannabis-Rezept online, während traditionelle Praxis Cannabis hinter Glas verschließt – Debatte um Zugang und Regulierung.

Von 420Deutschland ·

Der Entwurf zur Änderung des Medizinal-Cannabisgesetzes wurde gestoppt. Versandverbot & Präsenzpflicht vorerst vom Tisch – Hintergründe im Artikel.

Geplante Änderungen am Medizinal-Cannabisgesetz: Zurückgezogen oder nur aufgeschoben?

Einleitung

Die Diskussion um medizinisches Cannabis in Deutschland nimmt erneut Fahrt auf. Im Sommer 2025 legte das Bundesministerium für Gesundheit einen Entwurf zur Änderung des Medizinal-Cannabisgesetzes (MedCanG) vor. Dieser sorgte für Aufsehen, weil er deutliche Einschränkungen beim Zugang vorsah – darunter ein Verbot des Versandhandels und die Pflicht zu einem persönlichen Arzttermin bei jeder Erstverordnung. Nun steht die Frage im Raum: Wurde der Entwurf tatsächlich zurückgezogen oder lediglich vertagt? Und was bedeutet das für Patient:innen, Ärzt:innen und die Cannabis-Branche?

Was stand im Entwurf?

Der Referentenentwurf sah gleich mehrere Änderungen vor:

  • Pflicht zum persönlichen Arzt-Patienten-Kontakt
  • Erstverordnungen von Cannabisblüten sollten nur noch nach einem Besuch in der Praxis oder Hausbesuch möglich sein. Videosprechstunden oder rein digitale Kontakte wären ausgeschlossen gewesen.
  • Verbot des Versandhandels
  • Cannabisblüten sollten künftig nicht mehr per Versandapotheke geliefert werden. Patient:innen müssten ihre Medikamente direkt in einer Apotheke vor Ort abholen.
  • Strengere Regeln für Folgeverschreibungen
  • Auch bei Dauermedikation wäre mindestens einmal im Jahr ein persönlicher Arztkontakt verpflichtend gewesen.

Begründet wurde dies mit einem deutlichen Anstieg der Verschreibungen und Importmengen seit Herauslösung des Medizinal-Cannabis aus dem Betäubungsmittelgesetz. Laut Ministerium sei der Verbraucherschutz gefährdet, wenn Rezepte rein online ausgestellt und Cannabis ohne persönliche Beratung verschickt werde.

Warum der Widerstand so groß war

Der Entwurf stieß auf ein geteiltes Echo:

  • Unterstützer: Die Bundesärztekammer und auch der Apothekerverband begrüßten die Pläne. Sie sehen in der persönlichen Beratung einen wichtigen Schutzmechanismus gegen Missbrauch und Fehlanwendung.
  • Kritiker: Patientenverbände, Cannabis-Unternehmen und manche Fachärzte lehnten die Vorschläge ab. Argumente:
  • Für mobilitätseingeschränkte oder ländlich wohnende Patient:innen werde der Zugang massiv erschwert.
  • Versandapotheken und Telemedizin sichern heute eine Versorgung, die sonst gar nicht oder nur unter großen Hürden möglich wäre.
  • Ein generelles Versandverbot sei unverhältnismäßig, da für andere verschreibungspflichtige Medikamente Versand und Online-Rezepte erlaubt bleiben.

Wurde der Entwurf zurückgezogen?

In einigen Medien war die Rede davon, dass der Entwurf „zurückgezogen“ wurde. Tatsächlich gibt es bislang keine offizielle Bestätigung für einen kompletten Rückzug. Eher handelt es sich um eine Verschiebung:

  • Innerhalb der Regierungskoalition gibt es deutliche Differenzen. Während konservative Stimmen eine Verschärfung befürworten, sehen liberale Kräfte die Gefahr einer unnötigen Benachteiligung von Patient:innen.
  • Der Entwurf wurde daher vorerst von der Tagesordnung genommen. Ob er später in veränderter Form zurückkehrt, bleibt offen.

Was bedeutet das für Patient:innen und Branche?

  1. Kurzfristig bleibt alles wie bisher: Cannabis kann weiterhin nach Online-Sprechstunden verschrieben und per Versandapotheke geliefert werden.
  2. Mittelfristig ist unklar, ob die Regierung einen neuen Entwurf nachlegt – möglicherweise mit abgeschwächten Regeln, etwa:
  • Pflicht zur Präsenz nur bei der Erstverschreibung.
  • Versand weiterhin erlaubt, aber mit zusätzlichen Beratungsauflagen.
  1. Langfristig zeigt die Debatte: Das Thema medizinisches Cannabis ist politisch weiterhin umkämpft. Versorgungsfragen, Missbrauchsängste und Marktinteressen stehen in einem Spannungsfeld.

Fazit

Die geplante Änderung des Medizinal-Cannabisgesetzes hat gezeigt, wie kontrovers das Thema in Deutschland bleibt. Während die einen stärkere Kontrolle und Patientenschutz fordern, sehen andere darin eine Gefahr für die Versorgungssicherheit. Ob der Entwurf endgültig vom Tisch ist oder in modifizierter Form zurückkehrt, wird die kommenden Monate entscheiden. Für Patient:innen bedeutet das: Vorerst ändert sich nichts – doch die politische Diskussion dürfte weitergehen.

Vollständige Seite auf PotSpot ansehen