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Cannabis Schedule III 2026: Ende von 280E – Fundamentale Analyse der besten Cannabis-Aktien (Green Thumb, Trulieve, Curaleaf)

Cannabis Rescheduling 2026 USA: Schedule III Reklassifizierung beendet 280E Steuer – neue Regeln schaffen Chancen für Cannabis Aktien und Investoren

Von 420Deutschland ·

Die Reklassifizierung von Cannabis zu Schedule III im April 2026 beendet die steuerliche Sonderregelung 280E und verändert die Profitabilität der gesamten Branche. Dieser Artikel analysiert datenbasiert, welche Cannabis-Unternehmen strukturell profitieren. Im Fokus stehen Green Thumb Industries, Trulieve Cannabis und Curaleaf Holdings – mit Einblicken in Geschäftsmodelle, Margen, Markenstärke, Managementqualität und Risiken. Zusätzlich werden die Auswirkungen auf Cashflow, Steuern und zukünftige Marktstruktur eingeordnet. Relevante Faktoren für Investoren, Analysten und strategische Marktbeobachter werden klar herausgearbeitet.

Cannabis Schedule III: Das Ende von 50 Jahren Steuerbestrafung – eine fundamentale Analyse aller wichtigen US-Unternehmen

Stand: April 2026

Am 22. April 2026 hat das US-Justizministerium das getan, was die Cannabis-Branche seit Jahrzehnten gefordert hat: Medizinisches Cannabis wurde offiziell aus Schedule I herausgelöst und als Schedule-III-Substanz eingestuft. Für alle staatlich lizenzierten Medizinalunternehmen gilt das mit sofortiger Wirkung.

Was auf dem Papier wie eine bürokratische Neuordnung wirkt, ist in der Realität das Ende einer der ungerechtfertigsten Steuerregelungen in der Geschichte des amerikanischen Unternehmensrechts. Und für Investoren stellt sich jetzt eine einzige relevante Frage: Welche Unternehmen sind gut genug gebaut, um aus diesem strukturellen Rückenwind echten, dauerhaften Wert zu schaffen?

Dieser Artikel gibt keine Kursempfehlungen. Er analysiert Geschäftsmodelle, Managementqualität, Markenpositionierung und strategische Robustheit – die Faktoren, die langfristig entscheiden.


Was Section 280E war – und warum ihr Wegfall so bedeutsam ist

Section 280E ist eine Steuerregelung aus den 1980er-Jahren, die ursprünglich dazu gedacht war, illegalen Drogenhändlern steuerliche Abzüge zu verwehren. Sie wurde auf staatlich legale Cannabis-Unternehmen angewendet und zwang Betreiber, Steuern auf ihren Bruttogewinn statt auf ihren Nettogewinn zu zahlen – mit effektiven Steuersätzen, die regelmäßig 70 Prozent überstiegen.

Miete, Gehälter, Logistik, Marketing – nichts davon war absetzbar. Ein Unternehmen, das 100 Millionen Dollar Umsatz machte und 30 Millionen operativ verdiente, zahlte Steuern auf die vollen 100 Millionen. Analysten von Viridian Capital berechneten effektive Steuersätze für Green Thumb bei 65 Prozent, für Verano bei 189 Prozent, für MariMed bei 192 Prozent.

Ab dem 22. April 2026 unterliegt medizinisches Cannabis mit staatlicher Lizenz nicht mehr Section 280E des Internal Revenue Code. Viridian-Analysten hatten errechnet, dass allein 12 der größten MSOs durch den Wegfall von 280E jährlich 700 Millionen Dollar einsparen würden. Das ist keine Prognose mehr. Das ist die neue Realität.


Wichtige Vorbemerkung: Wer direkt profitiert – und wer nicht

Die Rescheduling betrifft ausschließlich US-amerikanische Unternehmen, die unter einer staatlichen Medizinallizenz operieren. Kanadische Produzenten wie Tilray oder Aurora Cannabis zahlen keine US-Bundessteuern auf ihr Kerngeschäft – für sie ändert sich operativ nichts. Sie profitieren langfristig vom Öffnen des US-Marktes, sobald eine vollständige Bundeslegalisierung folgt. Das Anhörungsverfahren dazu beginnt am 29. Juni 2026. Bis dahin bleibt das spekulatives Zukunftspotenzial, keine Gegenwart.


Green Thumb Industries (OTCQX: GTBIF) – Das Unternehmen, das schon vor der Wende funktioniert hat

Das Geschäftsmodell

Green Thumb Industries ist kein klassisches Cannabis-Unternehmen. Es ist ein Consumer-Goods-Unternehmen, das Cannabis verkauft. Dieser Unterschied klingt semantisch, ist es aber nicht. Während die meisten Wettbewerber auf Volumen und Marktanteile fixiert waren, hat Green Thumb von Beginn an auf Markenaufbau, Margendisziplin und operative Exzellenz gesetzt.

Im Geschäftsjahr 2025 erzielte Green Thumb einen Rekordumsatz von 311 Millionen Dollar im vierten Quartal und 1,2 Milliarden Dollar im Gesamtjahr – trotz anhaltenden Preisdrucks im Markt. Das Unternehmen betreibt 113 RISE-Dispensaries und hat sein Filialnetz im Jahr 2025 um 12 Standorte ausgebaut.

Die Marken

RYTHM war 2025 die meistverkaufte Blütenmarke der gesamten USA. Animal Face, eine der RYTHM-Kerngenetics, war das meistverkaufte Blütenprodukt des Landes nach Einheiten. Dogwalkers hielt die Führungsposition bei uninfused Pre-Rolls, und incredibles war die meistverkaufte Schokoladenmarke im Cannabisbereich.

Das sind keine Marketing-Claims. Das sind extern verifizierte Verkaufszahlen aus dem nationalen Retail-Tracking. Eine Marke, die in einem Markt mit harter Konkurrenz, Preisdruck und ohne föderale Werbemöglichkeiten zur Nummer eins wird, hat echten Consumer Pull. Neben RYTHM und Dogwalkers gehören Beboe im Premium-Wellness-Segment, incredibles für Edibles, Doctor Solomon's für medizinische Anwendungen und Good Green zum Portfolio – eine bewusst segmentierte Markenfamilie, die verschiedene Zielgruppen abdeckt.

Das Management

Gründer, Chairman und CEO Ben Kovler hat Green Thumb nach einem klaren Prinzip geführt: Profitabilität ist keine Option, sie ist die Bedingung. Kovler gegenüber Investoren: „Seit dem Start unseres ersten Aktienrückkaufprogramms Ende 2023 haben wir rund 107 Millionen Dollar an Aktien zu einem Durchschnittspreis von 7,95 Dollar zurückgekauft und die Gesamtaktienanzahl um 13,5 Millionen reduziert." Ein CEO, der in einem kapitalintensiven, regulatorisch belasteten Markt Aktien zurückkauft statt zu verwässern, sendet ein eindeutiges Signal über seine Einschätzung der eigenen Unternehmensbewertung.

Die Bewertung nach Rescheduling

Green Thumb war der einzige der großen MSOs, der auch unter der vollen Last von 280E konsistent positive Nettoergebnisse erwirtschaftet hat – mit einem nachlaufenden Nettogewinn von 114,15 Millionen Dollar. Mit dem Wegfall von 280E sinkt die effektive Steuerquote von rund 65 auf etwa 21 Prozent. Was das für den Nettogewinn bedeutet, lässt sich direkt ausrechnen – und es ist erheblich.

Governance-Hinweis: GTI zahlt ab April 2026 jährlich 70 Millionen Dollar an RYTHM Inc. für die Nutzungsrechte an seinen eigenen Kernmarken – und Ben Kovler ist Chairman und CEO beider Unternehmen gleichzeitig. Diese Verflechtung verdient kritische Beobachtung, schmälert aber nicht die operative Qualität des Kerngeschäfts.


Trulieve Cannabis (OTCQX: TCNNF) – Die vertikal integrierte Marktführerin mit außergewöhnlichem Fundament

Das Geschäftsmodell

Trulieve ist das am tiefsten vertikal integrierte Unternehmen im gesamten Sektor. Von der Cultivation über die Verarbeitung bis zum Endverkauf kontrolliert Trulieve jeden Schritt der Wertschöpfungskette selbst.

Im Gesamtjahr 2025 erzielte Trulieve 1,2 Milliarden Dollar Umsatz bei einer Bruttogewinnmarge von 60 Prozent – mit einem GAAP-Bruttogewinn von 711 Millionen Dollar. Das Unternehmen betreibt 233 Dispensaries und verfügt über mehr als vier Millionen Quadratfuß Anbau- und Verarbeitungskapazität.

Eine Bruttomarge von 60 Prozent ist für ein Unternehmen dieser Größe in einem physisch arbeitenden Einzelhandelsmodell außergewöhnlich. Sie zeigt, dass das operative Modell fundamental funktioniert – auch unter jahrelangen steuerlichen Extrembedingungen.

Die Marktposition

Trulieve führte 2016 den ersten medizinischen Cannabis-Verkauf in Florida durch und ist seit einem Jahrzehnt kontinuierlich gewachsen. Das Unternehmen betreibt heute über 229 Standorte allein in diesem Bundesstaat und beschäftigt 5.700 Mitarbeiter. Florida ist nicht irgendein Markt – mit über 22 Millionen Einwohnern ist es einer der bevölkerungsreichsten und wirtschaftsstärksten Bundesstaaten der USA.

Der Kundenstamm des Loyaltyprogramms wuchs Ende 2025 auf 915.000 registrierte Mitglieder. Außerdem sicherte sich Trulieve Ende 2025 eine bedingte Lizenz im Texas-Markt. Texas ist mit über 30 Millionen Einwohnern einer der letzten großen, noch kaum erschlossenen Medizinalmärkte der USA.

Das Management

Kim Rivers gründete Trulieve 2015 und führt das Unternehmen seither als CEO. Sie studierte Rechtswissenschaften mit Schwerpunkt auf Fusionen, Übernahmen und Wertpapieren an der University of Florida und verbrachte Jahre in der Transaktionspraxis, bevor sie Trulieve aufbaute.

Rivers hält direkt 9,76 Prozent der Unternehmensanteile im Wert von rund 120 Millionen Dollar. Wer so viel eigenes Kapital im Spiel hat, denkt strukturell langfristig. Das ist Skin in the Game auf einem Niveau, das viele börsennotierte CEOs nicht annähernd erreichen.

Das Hauptrisiko

Trulieve hat eine unsichere Steuerposition von rund 445 Millionen Dollar aufgebaut, die im Zusammenhang mit bestrittenen 280E-Zahlungen steht. Das Unternehmen hat seit 2023 darauf gewettet, dass Rescheduling kommt, und entsprechend keine vollständigen 280E-Abgaben mehr geleistet. Diese Wette hat sich bestätigt. Wie der IRS mit den Rückständen umgeht, ist der wichtigste ungelöste Faktor in den kommenden Quartalen.


Curaleaf Holdings (OTCQX: CURLF) – Das globale Modell mit der stärksten internationalen Pipeline

Das Geschäftsmodell

Curaleaf denkt anders als alle anderen großen MSOs. Während GTI und Trulieve ihre Stärken tief in bestimmten US-Märkten verankert haben, hat Curaleaf von Beginn an eine internationale Struktur aufgebaut.

Im Gesamtjahr 2025 erzielte Curaleaf 1,27 Milliarden Dollar Umsatz, eine bereinigte Bruttomarge von 50 Prozent und ein bereinigtes EBITDA von 275 Millionen Dollar bei einer Marge von 22 Prozent.

Die Marken

Select blieb die meistverkaufte Vape-Marke in den gesamten USA. Das Curaleaf-Gesamtportfolio hielt die Nummer-eins-Position im nationalen Marktanteil. Im Jahr 2025 wurden sechs neue Premium-Flower-Genetiken unter der Marke Dark Heart eingeführt und Anthem Bold infused Pre-Rolls als neue Linie gelauncht.

Select ist dabei das wichtigste einzelne Marken-Asset: ursprünglich an der Westküste aufgebaut, überregional skaliert und führend in einem der am stärksten wachsenden Produktsegmente des Sektors.

Das internationale Geschäft als Alleinstellungsmerkmal

Die internationale Umsatz stieg im Gesamtjahr 2025 um 63 Prozent auf 172,5 Millionen Dollar. Europa ist für Curaleaf kein Experimentierfeld mehr – es ist ein echtes, profitables und weiter wachsendes Geschäft.

Curaleaf International erhielt als erstes Unternehmen weltweit die EU-MDR-Zertifizierung für ein medizinisch zertifiziertes flüssiges Cannabis-Inhalationsgerät – den QMID – mit geplanten Launches in Großbritannien und weiteren europäischen Märkten. Die EU-MDR ist eine der strengsten medizinischen Gerätezertifizierungen weltweit. Wer sie als erster hat, hat einen strukturellen Vorsprung, den Wettbewerber nicht schnell aufholen können. Dazu kommt eine neu gesicherte Lizenz für den türkischen Medizinalmarkt, der 2026 starten soll.

Das Management

Boris Jordan ist Chairman und CEO. Er ist kein Branchenromantiker, der ein Cannabis-Startup aufgebaut hat, sondern ein erfahrener Kapitalmarktoperator mit Jahrzehnten Erfahrung in regulierten, kapitalintensiven Industrien. Unter seiner Führung hat Curaleaf eine „Return to Our Roots"-Restrukturierung abgeschlossen und eine neue „Built for Growth"-Strategie definiert, die nachhaltiges organisches Wachstum kombiniert mit selektiven Akquisitionen als Ziel setzt.

Das Hauptrisiko

Curaleaf ist auf GAAP-Basis verlustreich und trägt erhebliche Schulden. Die internationale Expansion kostet kurzfristig Marge. Das sind keine Kleinigkeiten – sie erfordern Geduld und die Bereitschaft, ein Unternehmen durch eine Transformationsphase zu begleiten.


Verano Holdings (OTCQX: VRNOF) – Der stille Operator mit starker Markenarchitektur

Das Geschäftsmodell

Verano ist weniger bekannt als GTI, Trulieve oder Curaleaf, aber in seiner Kategorie mindestens ebenso solide. Das Unternehmen operiert in 13 US-Bundesstaaten mit 158 Dispensaries und über 1,1 Millionen Quadratfuß Anbaukapazität.

Im Gesamtjahr 2025 erzielte Verano 822 Millionen Dollar Umsatz bei einem bereinigten EBITDA von 229 Millionen Dollar, entsprechend einer EBITDA-Marge von 28 Prozent. Eine EBITDA-Marge von 28 Prozent in einem Markt mit anhaltendem Preisdruck ist ein Zeichen operativer Reife.

Die Marken und Retail-Konzepte

Verano betreibt zwei unterschiedliche Retail-Marken: Zen Leaf für den allgemeinen Markt und MÜV speziell als Medical-Dispensary-Konzept in Florida. Diese Differenzierung erlaubt es, unterschiedliche Kundensegmente gezielt anzusprechen. Das Produktportfolio umfasst Savvy, (the) Essence, Swift Lifts, HYPHEN, Encore, BITS, Avexia und MÜV – mit Top-3-Marktanteilen in allen Kategorien, in denen Verano aktiv ist.

Besonders bemerkenswert ist HYPHEN: ein first-to-market All-in-One-Pod-Vape-System, das Konsumenten erlaubt, zwischen verschiedenen Extrakten, Formaten und Marken durch austauschbare Kapseln zu wechseln. Das ist technologische Differenzierung in einem Segment, das sonst weitgehend Commodity ist.

Das Management und die Strategie

Gründer, Chairman und CEO George Archos erklärte nach den Jahreszahlen 2025: „Im Jahr 2025 haben wir Betriebsabläufe optimiert, CPG-Technologie und Automatisierungs-Upgrades implementiert, neue Produktinnovationen eingeführt und uns mit einer Umsiedlung nach Nevada und einem günstigen Kreditrahmen strategisch für den US-Kapitalmarkteinschluss positioniert."

Die Verlagerung des Konzernsitzes von Kanada nach Nevada ist dabei mehr als ein administrativer Schritt. Sie positioniert Verano für eine mögliche Notierung an einer großen US-Börse, sobald die regulatorischen Voraussetzungen dies erlauben – ein entscheidender Schritt zur Erschließung institutionellen Kapitals. Zusätzlich sicherte sich Verano eine bedingte Lizenz für vertikale Cannabis-Operationen in Texas.

Das Hauptrisiko

Verano hat wie andere MSOs erhebliche unsichere Steuerpositionen aus der 280E-Auseinandersetzung. Das Unternehmen bleibt auf GAAP-Basis verlustreich, auch wenn die operative Cashflow-Generierung stabil ist.


Cresco Labs (OTCQX: CRLBF) – Der Wholesale-Champion mit Marktführerschaft in Milliarden-Märkten

Das Geschäftsmodell

Cresco Labs verfolgt einen strategisch einzigartigen Ansatz unter den großen MSOs: Das Unternehmen positioniert sich explizit als CPG-Unternehmen (Consumer Packaged Goods) mit einem starken Wholesale-Kanal. Während andere MSOs vorrangig auf den eigenen Retail setzen, verteilt Cresco seine Marken auch in fremden Dispensaries – ähnlich wie ein klassischer Konsumgüterhersteller.

Im Gesamtjahr 2025 erzielte Cresco Labs 656 Millionen Dollar Umsatz bei einer bereinigten Bruttomarge von 50 Prozent und einem bereinigten EBITDA von 157 Millionen Dollar – entsprechend einer EBITDA-Marge von 24 Prozent. Das operative Cashflow betrug 73 Millionen Dollar.

Die Marken

Cresco Labs betreibt ein diversifiziertes Markensystem: Cresco für Premium-Produkte, High Supply für das Value-Segment, FloraCal für Craft-Cannabis, Good News für Gelegenheitskonsumenten, Wonder Wellness Co. für den Wellness-Bereich, Mindy's Edibles in Partnerschaft mit der Michelin-Sterne-Köchin Mindy Segal, und Remedi für medizinische Anwendungen. Zusätzlich lizenziert Cresco die Kiva-Marke für Cannabis-Edibles.

Die Breite dieses Portfolios ist strategisch entscheidend: Es adressiert jeden Konsumenten von der Erstverwenderin bis zum langjährigen Kenner und von günstig bis premium.

Das Management und die Strategie

CEO und Mitgründer Charlie Bachtell nach dem Rekordjahr 2024: „Mit 132 Millionen Dollar operativem Cashflow, einer führenden Markenposition in unseren Kernmärkten und einer Retail-Produktivität, die die Branche übertrifft, ist unser Fundament stärker als je zuvor."

Besonders interessant für die Zukunft: Cresco kündigte an, seine Marken in den deutschen Markt einzuführen – und damit als eines der ersten US-Cannabisunternehmen die transatlantische Expansion aktiv voranzutreiben. Das ist ein früher strategischer Schachzug in einem europäischen Markt, der gerade erst öffnet.

Cresco behält die Nummer-eins-Marktposition in mehreren Milliarden-Dollar-Märkten – darunter Illinois, Pennsylvania und Massachusetts. Diese Tiefe in regulierten, etablierten Märkten ist ein echter Burggraben gegen neue Wettbewerber.

Das Hauptrisiko

Cresco Labs hat unsichere Steuerposition-Verbindlichkeiten von 171,5 Millionen Dollar in seinen Jahresabschlüssen 2025 ausgewiesen, ein Anstieg von 122,5 Millionen Dollar im Vorjahr. Hier gilt dasselbe wie bei den anderen MSOs: Rescheduling beseitigt das zukünftige Problem. Die Vergangenheit muss noch mit dem IRS verhandelt werden.


Glass House Brands (OTCQX: GLASF) – Das Niedrigkosten-Modell aus Kalifornien

Ein anderer Ansatz

Glass House Brands ist fundamental anders als alle anderen hier genannten Unternehmen. Es ist kein Multi-State-Operator. Es ist ein California-only-Unternehmen, das auf einen einzigen strukturellen Vorteil setzt: die niedrigsten Produktionskosten der Branche durch industrielle Gewächshaus-Landwirtschaft.

Glass House besitzt das größte Gewächshaus-Cannabis-Anbausystem in den USA und produziert qualitativ hochwertige Blüten zu Kosten, die kein Wettbewerber erreicht. Das Portfolio umfasst Glass House Farms, PLUS Products, Allswell und Mama Sue Wellness.

Die Strategie: Kostenführerschaft als Burggraben

Die Produktionskosten erreichten im zweiten Quartal 2025 91 Dollar pro Pound – unterhalb des langfristigen Zielwerts von 100 Dollar – bei einem vertikal integrierten Modell, das 10 Retail-Stores, Wholesale-Biomasse und Branded-CPG-Produkte umfasst.

Das ist der eigentliche Wettbewerbsvorteil: Allswell, Glass Houses Einstiegsmarke, wird dauerhaft für 9,99 Dollar pro Einheit verkauft. In einem kalifornischen Markt, in dem viele Wettbewerber bei diesen Preisen Verluste machen, kann Glass House noch profitabel arbeiten.

Eine Krise und ihre Bewältigung

2025 war kein einfaches Jahr. Im Juli 2025 führte die US-Einwanderungsbehörde ICE Razzien an den Anbaustandorten in Camarillo und Carpinteria durch, bei denen über 360 Personen festgenommen wurden. Das vernichtete die Arbeitsbasis des Unternehmens über Nacht und reduzierte die Produktion auf unter 40 Prozent der normalen Kapazität. Das Gesamtjahresergebnis 2025 lag mit 182 Millionen Dollar unter dem Vorjahreswert von 200,9 Millionen Dollar.

Was danach passierte, ist ebenso aufschlussreich. CEO Kyle Kazan traf die schwierige Entscheidung, die gesamten Einstellungs- und Arbeitspraktiken des Unternehmens vollständig zu reformieren – weit über das gesetzlich Vorgeschriebene hinaus. Das Unternehmen verpflichtete sich für E-Verify aller Mitarbeiter und schloss einen Friedensvertrag mit den Teamsters. Für 2026 peilt das Unternehmen 235 bis 245 Millionen Dollar Umsatz und eine Wholesale-Biomasse-Produktion von rund einer Million Pounds an – etwa 50 Prozent mehr als im Vorjahr.

Das Management

Kyle Kazan ist Co-Gründer, Chairman und CEO. Er ist kein Finanzmanager, der in die Branche eingestiegen ist, sondern ein Operator, der die technologischen und agronomischen Grundlagen seines Unternehmens selbst versteht. Kazan hat die Entscheidung getroffen, in einer strukturell schwierigen Marktsituation – Preisverfall in Kalifornien, regulatorische Unsicherheit – nicht auf kurzfristigen Gewinn zu optimieren, sondern das operative Fundament für den nächsten Zyklus zu stärken.


Was kommt als Nächstes – die Timeline

Sofort: Section 280E gilt nicht mehr für staatlich lizenzierte Medizinalunternehmen. Steuerliche Entlastung beginnt mit dem ersten Quartalsergebnis nach April 2026.

29. Juni 2026: Die DEA hält ein Anhörungsverfahren zur vollständigen Rescheduling von Cannabis ab – das würde auch den Freizeitmarkt einschließen und damit alle Unternehmen erfassen, nicht nur medizinisch lizenzierte.

Ende 2026 / Anfang 2027: Eine finale Regel zur vollständigen Rescheduling wird erwartet. Sollte diese kommen, wäre der Weg für institutionelles Kapital, normale Bankfinanzierung und möglicherweise Übernahmen durch Pharmakonzerne vollständig geöffnet.


Fazit: Sechs verschiedene Wetten auf dieselbe strukturelle Verschiebung

Alle sechs Unternehmen profitieren von derselben regulatorischen Wende. Aber sie tun es auf sehr unterschiedliche Weise – und das ist der Punkt, an dem Investoren wirklich nachdenken müssen.

Green Thumb ist die defensivste Wahl: bereits profitabel, diszipliniertes Management, starke Marken, konservative Bilanz. Der 280E-Wegfall macht hier das Gute noch besser.

Trulieve ist die Wahl für strukturelle Marktmacht: 60 Prozent Bruttomarge, dominante Florida-Position, Gründer-CEO mit signifikantem Eigenkapitalanteil. Das Steuerrisiko aus der Vergangenheit ist real, aber handhabbar.

Curaleaf ist die Wahl für globale Reichweite: Das internationale Geschäft wächst schnell, die Marken sind etabliert, und die EU-MDR-Zertifizierung ist ein echter regulatorischer Vorsprung in Europa. Erfordert aber Geduld.

Verano ist der stille Operator: solide EBITDA-Margen, innovative Produktentwicklung, strategisch kluger Schachzug mit der Nevada-Redomizilierung. Weniger sichtbar, aber fundamental solide.

Cresco Labs ist die CPG-Wette: nationale Marktführerschaft in Kernmärkten, einzigartiges Wholesale-Modell, und als erstes US-Unternehmen mit aktiver Deutschland-Expansion ein interessanter Blick über den eigenen Tellerrand.

Glass House Brands ist das Kostenführerschafts-Modell: California-only, aber mit einem strukturellen Produktionskostenvorteil, der in einem preissensitiven Markt entscheidend sein kann. Die Krise von 2025 ist verdaut – 2026 soll das Comebackjahr werden.

Die Rescheduling ist der Katalysator. Das Fundament war schon vorher da – bei manchen stärker, bei anderen weniger. Wer langfristig investiert, sollte das nicht verwechseln.


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Risikohinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Investitionen in Cannabis-Aktien sind mit erheblichen regulatorischen, steuerlichen und operativen Risiken verbunden. Vergangene Entwicklungen sind keine Garantie für zukünftige Ergebnisse. Bitte informiere dich eigenständig oder konsultiere einen zugelassenen Finanzberater, bevor du Anlageentscheidungen triffst.



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